Am Sonntag, den 08.02.2004 fand am Königsee Zellhausen gegen 13:05 Uhr erneut ein massiver Kormoraneinflug statt. An dieser Attacke waren mehr als 60 Tiere beteiligt, wie auf zwei der gemachten Fotos unschwer nachzählbar ist. Insgesamt waren jedoch noch mehr Tiere beteiligt. Diese sind aber leider wegen des schwarzen Hintergrundes (Wald) auf den Bildern nicht erkennbar.

Nur mit einiger Mühe gelang es den – gerade noch im Vereinsheim anwesenden – Mitgliedern die Vögel daran zu hindern, dass sie ihren Fraßdruck wieder einmal am Königsee befriedigten. Ein jeder, der sich auch nur ein klein wenig mit der Thematik „Kormoran“ beschäftigt hat, weiß, was dieser Trupp Kormorane wenige Minuten später angerichtet hätte, während dessen die Mitglieder ASV sich auf dem Heimweg befanden.

Dies ist nun schon die dritte bekannte, massive Kormoranattacke innerhalb von nur einer Woche. An Sonntag, 01.02.04 fielen über 100 Vögel am Königsee ein, am Mittwoch, 04.02.04 waren es geschätzte 70 Tiere und heute, am 08.02.04 sind auf zwei Bildern wiederum 64 dieser fischfressenden Exemplare dokumentiert.

Diese Trupps hätten alleine an diesen drei Tagen den Fischbestand im Königsee Zellhausen – darunter geschützte heimische, sich auf natürliche Weise reproduzierende Arten - um mehr als 100 kg schädigen können. Dass diese Vögel den See immer wieder anfliegen, belegt eindeutig, dass unsere nonletalen Vergrämungsmaßnahmen nicht wirklich erfolgreich sind. Es macht auch keinen großen Sinn, dass sich die Vereine die Vögel gegenseitig zutreiben, denn die Hechte, Karauschen, Rotfedern und Schleien im Mainflinger See und den Gewässern unserer weiteren benachbarten Angelsportfreunde sind natürlich genauso zu schützen, wie die Bestände des Königsees.

Alle unternommenen Versuche, die ungebetenen Gäste mit nonletalen Maßnahmen vom Königsee fernzuhalten, blieben nur von geringer Dauer und Wirkung. Bereits kurze Zeit später kamen die ersten vergrämten Tiere - oder waren es schon wieder die Nächsten – wieder an den See zurück, um ihren Fraßdruck weiterhin aus dem Fischbestand des Königsees zu stillen.

Der ASV „Petri Heil“ Zellhausen 1957 e. V. hat am Montag, 02.02.04 die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung von den allgemeinen Tötungsverboten für geschützte Tiere (§ 42 Abs. 1, § 43 Abs. 8 BNatSchG) für Kormorane (Phalacrocorax carbo sinensis) für den Königsee Zellhausen aufgrund der akuten Gefährdung der heimischen, sich natürlich reproduzierenden Arten im Bestand des Königsees als Schutzmaßnahme telefonisch gestellt.

Dieser Antrag wurde - ausführlich begründet - der UFB im Rahmen einer Ortsbegehung am Donnerstag, 05.02.04 in Schriftform nachgereicht. Beigefügt wurden auch die dokumentierten Kormoraneinflüge (ab 04/03), die graphische Darstellung dieser Einflüge (xy-Chart), die vom LVDSF ermittelte Kormoran Schlafplatzzählung vom 15.02.2003 sowie die Angabe der vom ASV bisher durchgeführten nonletalen Vergrämungsmaßnahmen.

Am Freitag, 06.02.2004 wurden der UFB per Fax alle zusätzlich angeforderten Dokumente, sprich eine Auflistung der heimischen, sich reproduzierenden Arten im Fischbestand des Königsees mitsamt der Angabe der in 2003 besetzten Mengen dieser geschützten Arten, zugestellt. Weiter erhielt die UFB per Fax die schriftlichen Bestätigungen unserer Besatzfischliefanten über die Durchführung der Besatzmaßnahmen mit geschützten Arten, ebenso die 5jährige Liefervereinbahrung einsömmriger Schleien zum Wiederaufbau der extrem gefährdeten Schleienpopulation im Königsee Zellhausen.

Des weiteren wurden der UFB der Bericht und die Auswertung einer im Rahmen eines Großmesstages in 1999 durchgeführten Elektroabfischung vom LVDSF zugestellt. Nach Auffassung des ASV geben diese Unterlagen den eindeutigen Nachweis über das Vorkommen und ihre natürliche Reproduktion heimischer Arten im Königsee her. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden daher vom ASV als adäquat zu der im Erlass erwähnten fischereibiologischen Untersuchung angesehen. Zum besseren Verständnis der Kormoranproblematik wurden schließlich noch drei Seiten mit wesentlichen Informationen zu diesem Thema übermittelt.

Die Population der Kormorane in unserer Region ist mittlerweile in einer Größenordnung, die vom keinem Gewässer mehr verkraftet werden. Die Fischbestände der sich reproduzierenden Arten sind derart gefährdet, das selbst das Nachbesetzen dieser Arten nicht mehr ausreicht um den Bestand zu sichern, geschweige denn, diesen wiederaufzubauen.

Einen nachhaltigen Erfolg gegen die ständig wachsende Kormoranpopulation in der Region geben nonletale Vergrämungsmaßnahmen nicht her. Die Vögel müssen ihren Nahrungsbedarf decken und sie werden dies mit den Fischbeständen der umliegenden Gewässer tun. Die Fischbestände des Königsees und der umliegenden Gewässer sind massivst gefährdet.

Die UFB hat die Stellungnahmen des zuständigen Kreisfischreiberaters und der UNB eingeholt und geprüft. In ihrer Verantwortung zum Schutz, insbesondere der heimischen, sich reproduzierenden Arten hat die UFB den Schutzmaßnahmen gegen Kormorane im Sinne unseres Antrages des ASV am 19.04.2004 stattgegeben. und dem ASV „Petri Heil“ Zellhausen 1957 e. V. als einem der ersten Angelsportvereine in Hessen die Genehmigung zum Vergrämungsabschuss von Kormoranen (Phalacrocorax carbo sinensis) gemäß § 43 des Gesetzes über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz-BNatschG) vom 25. März 2002 (BGBI.I S 1193) erteilt.

In enger Zusammenarbeit mit dem LVDSF Hessen e. V. konnte diese wichtige Maßnahme zum Schutz der heimischen, sich reproduzierenden Arten - wie beispielsweise Hecht, Rotfeder und Schleie - in den Fischbeständen des Königsees erreicht werden. Gleichfalls hat der für die Gemeinde Mainhausen zuständige Jagdausübungsberechtigte seine Unterstützung zugesagt.

Den Nachweis dieser Einflüge erbrachten die ASV Mitglieder u. a. indem sie ihren Beobachtungen in ausgelegten Erfassungslisten dokumentierten. Neben Fotos dient auch eine Videoaufnahme als Beleg für diese massive Gefährdung.

Zwischen Antragstellung und Genehmigung hielten sich ständig zwischen etwa 10 und 70 Kormorane am See auf. Ausgehend von einem Fraßdruck von 500 g/Kormoran und Tag, geht der ASV „Petri Heil“ mit einer Schädigung seiner Fischbestände von etwa 300 kg. aus.

Wenn es uns nicht gelingen sollte, die Kormorane nachhaltig von unseren Gewässern fernzuhalten, dann werden alle Bemühungen, diese Gewässer im Sinne des HFischG – Artenvielfalt und natürliches Größenspektrum – zu bewirtschaften, scheitern. Den Schaden hätten nicht nur wir Angler.

 

Gerhard Keller

Gewässerwart

ASV Zellhausen 1957 e.V.

 

Video "Kormoran am Königsee"

Kormoraneinfall in den Königsee am 8.02.2004.

Kormorane im Anflug.

Diesmal, mit Glück am Wochenende. Nur mit großem Aufwand ließen sich die Vögel vertreiben.

Aber was passiert unter der Woche ?

Wer schützt dann unsere Fischbestände ???

- Wissenswertes über den Kormoran

Weiteres zum Thema Kormoran

Kormoraneinflug, Bilder vom 8.02.2004

Video “Kormoran am Königsee” - Bild bitte anklicken

- aktuelle Zahlen - Kormoranerfassung Königsee Zellhausen

 Kormoran mit Beute

25 Kleinfische bis 16 cm länge. Darunter 23 Barsche und 2 Schleien, die sich u. a. als geschützte Fischart im Königsee Zellhausen fortpflanzen. Die Aufbauprogramme sind nachweislich stark gefährtet.

Es ist leicht vorstellbar, welcher Schaden durch den massiven Kormoraneinflug - wie mehrfach dokumentiert (siehe Bilder unten, siehe Video) im Königsee endsteht. Bei einem beispielsweisen Einflug von 50 Vögeln wird der Fischbestand um 1250 Stück Fische reduziert - und das entsprechend der Jahreszeit - täglich.

- “Fischutz-contra-Kormoran” neuer Verein in NRW
  (Adresse siehe Link-Seite)

Kormorane am Königsee

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